A dream comes true: YUKON - Larger than life - ein leben in der wildnis

 

Durch einer der wildesten Regionen Nordamerikas mit einem Ziel: Der sagenumwobene YUKON – Land of the midnight sun - für viele das Paradies für ein Leben in der Wildnis 

 

Oh man! Oh man! Wir müssten uns noch viel mehr Zeit nehmen denn uns gehen langsam die Worte aus welche beschreiben können, wie unfassbar atemberaubend die Natur hier ist – und wenn man denkt, schöner und faszinierender geht es nicht mehr – BÄM! Nach dem nächsten Berg, dem nächsten Anstieg tut sich uns das nächste Juwel auf.

Ich bin schon viel auf der Welt rumgekommen – aber die Wildnis und die Weiten hier oben kennen keinen Vergleich – es macht uns sprachlos und hat absolut unsere Herzen gewonnen. Ich lag richtig mit meiner Einschätzung, dass der Norden Kanadas, der Ort ist, der für mich meine Sehnsüchte erfüllt. Stundenlang keine Zivilisation – nur Wildnis. Tausende Gedanken gehen mir durch den Kopf, wie die First Nation hier draußen wohl mit der Natur leb(t)en?...und welche Entbehrungen die ersten Settler aus Europa auf sich nahmen, um hier ein neues Leben aufzubauen?

 

Wir fahren über eine Stunde an Wäldern vorbei, die komplett bis zum Horizont abgebrannt sind. Ein großer Brand im Jahre 2010/2011 verwandelte tausende von Hektar in eine bizarre Landschaft. Nachdem wir Jade City – eine familien-betriebene Jade-Schmiede besucht hatten, kam wieder ein nächstes Highlight – einige der Seen, so u.a. der Hope Lake begrüßten uns mit weißen Sandbänken und türkisfarbenen Wasser – ich traute meinen Augen nicht. Und das hier oben in Kanada? Es sah eher aus wie auf Kuba oder Sansibar. Das Land hält einfach jeden Tag immer wieder neue Überraschungen bereit. Am Boya Lake, der letzten Campsite in BC vor dem Yukon, nahmen wir dann ein Bad im See. Nachdem wir uns schon seit geraumer Zeit nicht mehr geduscht hatten – wirklich eine willkommene Abwechslung, den Körper mal wieder mit Wasser zu umspülen. Im Van reisen bedeutet eben Katzenwäsche! Der Boya Lake hat klares türkis- bis hellblaues Wasser – wirklich traumhaft! Noch ein Käffchen und auf geht’s – der Yukon liegt vor uns und es dauert nicht mehr als zwei Stunden, bis wir endlich da sind – im Land der Mitternachtssonne! Bis zu 22 Stunden Tageslicht im Sommer erwarten uns. In mir ist eine kleine Euphorie ausgebrochen, als ich das Willkommensschild gesehen habe, auf dem geschrieben steht:

 

„YUKON – Larger than life“

 

We made it – ein Traum geht soeben in Erfüllung – Wir sind im Yukon!...

 

First Stop Yukon: Watson Lake

Unser erster Stop im Yukon ist Watson Lake – mit seinem weltbekannten Schilderwald (Sign Forest).

 

Is schon ne coole Sache – aus der ganzen Welt bringen Leute Ortsschilder mit –  u.a. auch die großen Gelben aus Deutschland, um sie hier an Pfählen und Bäumen zu befestigen. Was für ein Akt, die Schilder den ganzen Weg mit hier her zu bringen. Tobi und ich geben uns mit einem kleinen Plastikteller aus unserer Geschirrsammlung zufrieden und wir befestigen unser Verewigungstellerchen an einen noch freien Platz mitten unter Ami-Schildern mit den Worten: „Tobi and Diana travel(ed) the Alaska Highway 2016“ Wartmannsroth-Unterfranken-Germany.“ – Yeah – ein bisschen Touri-Action ist auch mal ganz lustig.

Es ist bereits schon nach zehn Uhr Abends und die Sonne steht noch blendend am Himmel als wir den Alaska Highway gen Norden bestreiten und ein vorbeifahrender Truck mit einer Wucht uns zig  Steinchen von der Gravel Road gegen unseren geliebten Dark Rider schleudert und unter anderem einer auf unsere Windschutzscheibe prellt. Ein lautes „FUCK“ ertönte von Tobi und untermalte die Ernsthaftigkeit der Situation – Wir haben ein Steinschlag erlitten! Das Auto ist den Deutschen heilig –so auch Tobi und ich gab mir beste Mühe ihn davon zu überzeugen, dass es nicht so schlimm sei und das fast alle Kanadier hier oben kaputte Windschutzscheiben haben. Noch ist es ja ein kleiner Steinschlag. Nach einer Zeit hob sich Tobi’s Laune wieder. Aber merke: Es gibt viele Schotterpisten-Abschnitte hier oben und man sollte gewappnet sein für ultraschnell vorbei fahrende Trucks, die kein Erbarmen kennen.

 

Wr fuhren und fuhren und das Land wurde weiter und weiter – so habe ich mir den Yukon vorgestellt. Obwohl Grenzziehungen natürlich nicht unbedingt geographischer sondern eher politischer Natur sind, stellte sich schon von Beginn an hier im Yukon ein anderes Lebensgefühl, eine andere Beziehung zur Natur ein. Noch ehrfürchtiger wird man angesichts der sich auftuenden einsamen Weiten und der Farbenschauspielen, die Sonne und Wolken auf Berge, Seen und Wälder zaubern. Wir fuhren durch Starkregen und wieder Sonnenschein – das Wetter kann sich hier oben mehrere Male an einem Tag von einem Extrem ins andere Extrem umschlagen.

 

Nach der langen Fahrt halten wir an einer Rest Area an, an der schon einige andere Reisende ein Schlaflager für sich in Anspruch nahmen. Angesichts des vielen Platzes im Yukon nicht ganz das Wahre an einer Rest Area zu übernachten. Wir waren müde und so blieben wir dort. Halb Eins – es ist hell – mach die Augen zu dann ist es dunkel! An die Helligkeit müssen wir uns wohl erst noch gewöhnen.

 

 

Capital of the yukon - Einwohner: ca.28.000

 

Der kommende Abschnitt des Alaska Highways bis Whitehorse erschien uns nicht so interessant und so sind wir bis auf einen Halt fürs Tanken und ein kleines Mittagessen bis zur Hauptstadt des Yukons durchgefahren. Pünktlich zum Canada Day sind wir zurück in der Zivilisation. Es kommt hunderte Kilometer nichts und dann die „Big City“ mit seinen ca. 28.000 Einwohnern. Ein äußerst interessantes Gefühl wieder so viele Menschen zu sehen. Die Stadt ist wie fast alle kanadischen Städte von keiner besonderen Schönheit gekennzeichnet, aber ein guter Vibe zieht durch die Straßen der Stadt, welcher die Stadt sehr sympathisch macht. Im Radio läuft zur Abwechslung hier oben mal richtig gute, alte Country Musik aus alten Tagen und beschwingt uns. Insbesondere heute am Canada Day sehen wir viele Patrioten welche komplett mit Kanada-Farben und Stoff-Flaggen eingekleidet und mit noch mehr kleineren Fähnchen in Händen und an Rucksäcken, Kinderwägen, etc. durch die Stadt ziehen. Ebenso glücklich stimmte uns das gerade stattfindende Kulturfestival, dass von den örtlichen First Nation organisiert wird. Wir sahen uns zwei Shows an, die uns der Kultur der indianischen Bevölkerung der Region ein wenig näher brachten –  Gänsehaut-Feeling bei dem Gesang, Trommeln und Tänzen. 

Als ich draußen vor dem Cultural Center ein Kippchen rauchen ging – setzte ich mich auf einen großen Stein und dann rief es mir von rechts zu: „Why don’t you sit with me here?“ Ich blickte auf und sah eine ältere, indianische Frau. Ich antwortete ihr, dass ich rauche und ich sie ungern zu qualmen möchte. Sie meinte, dass das  kein Problem für sie sei, „Come sit with me!“ Also nahm ich ihr Angebot an. Sie erzählte mir von den Zeiten, als der Alaska Highway erbaut wurde – es hätte kaum indianische Tänze mehr gegeben und wenn dann waren es die „Elders“ gewesen, die versuchten die Traditionen aufrecht zu erhalten. Das hätte sich mit den Jahren drastisch geändert. Immer mehr Möglichkeiten und öffentlichen Raum gäbe es, um die einheimische Kultur zu revitalisieren und eine verstärkte Rückbesinnung insbesondere auch seitens der jüngeren Generationen würde stattfinden. Ihre Augen glänzten und Sie war mit Stolz erfüllt, als sie die Vorstellungen der Künstler des heutigen Tages lobte. Dann kam ihr Sohn raus, einer der Tänzer und Musiker, ein witziger Typ. Von ihm lernte ich einiges über die verschiedenen Trommeln, vor allem über die Box-Drum, die sehr der peruanischen Cajon ähnelt, aber doch ganz anders gespielt wird. Dave erzählte darüber hinaus  von seinem Leben als Bush-Piloten und seinen Plänen ein Haus in der Wildnis zu bauen, das nur mit dem Flugzeug erreichbar sein soll. Den Platz habe er schon direkt an einem Wasserfall gelegen und mit Flugzeug-Landeplatz. Tobi war mittlerweile auch zu uns gestoßen und Dave sagte, er könnte ihn gut gebrauchen – Tobi sei in „a good shape“ und er könne starke Männer gut gebrauchen. Dieser Typ war kein Schwätzer und ich stellte mir vor, was für ein aufregendes Leben er als Buschpilot führt.

Wir verabschiedeten uns und zogen weiter durch Whitehorse. Abends haben wir nach nicht allzu langer Suche ein schönes Plätzchen zum übernachten gefunden – Der Fish Lake nahe Whitehorse. Tobi war noch bis spät in die Nacht fischen und ich habe mich bei einem Cuba Libre dem Schreiben gewidmet. 

 

Das Schöne am Reisen ist, dass man immer wieder mit der Menschlichkeit überrascht wird, die so manch eine Begegnung mit sich bringt. Es ist Samstag und wie haben bereits am frühen Morgen einige Werkstätten angesteuert, die sich mal unser Radlager genauer anschauen sollten, aber leider war bis vor Mittwoch kein Mechaniker verfügbar. Tobi war etwas nervös, weil er wusste das das Radlager wohl nicht mehr lange mitmachen wird in diesen Konditionen und so nicht unbedingt weiterfahren wollte, da schlichtweg nach Whitehorse keine Stadt mehr auf unserer Route Richtung Kluane Nationalpark und Alaska liegt. Nu, denn wir hatten uns entschieden, das Risiko einzugehen. Dann hatten wir uns mit Chris getroffen haben, einem waschechten Redneck-Freak, welcher Interesse an unserem Van hat. Wir waren schon einige Zeit via e-Mail im Kontakt, da er unsere Anzeige im Internet gesehen hat. Zusammen haben wir eine Probefahrt gemacht und so wie es aussieht, wenn alles rund läuft haben wir einen Käufer für unseren geliebten Dark Rider. 

Danach gönnten wir uns einen hammermäßigen Hamburger im besten Restaurant der Stadt „Klondike Rib and Salmon.“ Mit Abstand wirklich der beste Hamburger, den ich je gegessen habe: Elch- und Wildschweinfleisch, da konnte ich nicht wieder stehen. Neben uns am Tisch saß ein Pärchen aus Alaska und wir kamen ins Gespräch.  Aus der Unterhaltung ergab sich, das Mike Kfz-Mechaniker ist. Da läuteten schon die Glocken bei mir und wir erzählten ihm, dass wir wahrscheinlich ein Problem mit dem Radlager hätten. Das ging ungefähr so: Ah wow you are a mechanic! Well, you know, actually we have a problem with...Tobi what was it? How do you call it in English? What was that...the problem with the weel?“ Und schon hatte ich die Unterhaltung mit Erfolg auf die Männer ausgelagert und es dauerte nicht lang, das Mike meinte, er könne sich das ja mal anschauen. Also kam er mit raus auf den Parkplatz und er und Tobi werkelten am Reifen rum. In der Zwischenzeit erzählte mir Elise von den Vorzügen, einen Mechaniker als Mann zu haben. In ihrem Haus gäbe es nichts was nicht funktioniere. Aber der Nachteil sei, dass er jede freie Minute mit seinen Autos verbringt und es immer einiger Überzeugungsversuche bedürfe, anstelle an Autos rumzubasteln in den Urlaub zu fahren. Und da war das Radlager auch schon wieder funktionstüchtig, nachdem sich Mike unter dem Van rekelte und mit entsprechendem Werkzeug das Radlager wieder festzurrte. Als Dank’ gab es ein Glas von unserem Lachs, worüber sich die beiden sehr freuten. Einige Male betonten die beiden, dass sie sich freuen würden, wenn wir sie in Anchorage, Alaska besuchen würden – Sie hätten ein Gästezimmer für uns frei. Diese Begegnung war ganz wunderbar – und hat uns bestimmt an die 100-200 Dollar gespart. Danke Mike und Elise J

Mal wieder von allen Sorgen befreit, war nochmal kurz shoppen angesagt und dann gings ab: Hit the road – raus aus der Stadt! 

 

 

 

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