Leben auf der Ranch

Bereits nach wenigen Tagen war der kleine Frischling in seinem Zuhause voll ange-kommen. Anfangs noch etwas schwach auf den Beinen wurde er jeden Tag ein wenig kräftiger und vor allem mutiger. Sein gesunder Appetit seinen neuen Pflegeeltern außerdem die Rückmeldung, dass es ihm so schlecht nicht gehen konnte. Doch noch war kein Name für "den Kleinen" gefunden, oder war es doch eine kleine Bache? So ganz eindeutig war das zunächst ehrlich gesagt nicht, doch letztlich waren wir uns sicher... vor uns quiekte ein kleines Keilerlein. Ein Name war dann schnell gefunden, denn von heimatliche Gefühlen für den Odenwald geleitet, entschied sich Diana für "Odin" den germanischen Göttervater. Wir freuten uns, doch Odin nahm diese rein menschliche Formalität teilnahmslos hin und widmete sich lieber seiner neu gezimmerten warmen Höhle aus Paletten und reichlich alten Decken.

Die nächsten Wochen nach Odin`s Ankunft auf der kleinen Ranch waren geprägt von intensiven Streicheleinheiten, regelmäßigen Besuchen der Nachbarskinder und Spaziergängen ohne Leine.  

Typisch Wildschwein interessierte er sich neugierig für alles Neue, testete es zunächst vorsichtig mit dem Rüssel woraufhin anschließend meist eine ausgiebige Geschmacksprobe folgte. Eine alte Couch war daher schnell in Einzelteile zerlegt und wir wunderten uns täglich was Odin mit seinem zart anmutenden Rüssel bereits wieder aus den Tiefen des Freigeheges ausgegraben hatte. 

Doch so sorglos die Zeit auch schien, seinen Pflegeeltern bereitete die zunehmend ruppige Spielweise Odin`s ernsthafte Sorgen. Ein Wildpark, Wildgehege oder Auffangstation war trotz intensiver Suche nicht ausfindig zu machen. Die Antwort lautete immer gleich: "Grundsätzlich schwer integrierbar; aktuell zu klein und schwach, um sich in der Wildschweinrotte behaupten zu können". Um das raue Schlitzohr für den Moment zu bändigen gab es daher für den Moment nur eine Lösung: Kastration.