"Odin tut mir sooo leid! Er ist so allein! Wir brauchen einen Spielgefährten für ihn!“ Diese Sätze waren vor einiger Zeit auf unserer kleinen Farm sehr häufig zu hören. Thorsten, der Antiheld des Finanzsystems und ich waren ehrlich gesagt schon etwas genervt und rollten mit gerunzelter Stirn die Augen angesichts der bösen Gewissheit was uns neben einem Wildschwein in naher Zukunft noch erwarten würde.

Andererseits hatte Diana natürlich recht. Odin benötigte tatsächlich einen tierischen Gefährten, denn unsere Gesellschaft konnte nur übergangsweise einen gewissen Ersatz darstellen. Und wie sollte das erst werden, wenn Odin die 100 Kilo Marke überschreiten sollte?! Auch würde es immer schwieriger und schließlich gewiss unmöglich werden, dass Odin ein anderes Tier in unserer Rotte dulden würde. Die Stimmung auf unserer kleinen Farm war in diesen Tagen dementsprechend angespannt und täglich überlegten und diskutierten wir wie nun weiter vorzugehen sei. Odin zu schlachten war dabei nur eine mehr als theoretische Option und wurde zum Glück schnell verworfen.

Jedoch war ein zusätzliches (Woll-)Schwein vor allem wegen Thorsten nicht machbar. Nach Langem Hin und Her einigten wir uns darauf Ziegen bei uns aufzunehmen, in der Hoffnung, dass diese wehrhaft genug seien sich gegen den rüpelhaften Odin durchzusetzen. Nach einiger Recherche rief Diana also nun bei einem Schaf- und Ziegenzüchter in der Region an und glücklicherweise hatte dieser spontan Zeit. Dort angekommen liesen wir uns zunächst die Zwergziegen zeigen. Mit ihren kurzen Beinen und dicken Bäuchen schienen sie direkt einem Comic entsprungen zu sein.

Der Züchter erklärte uns wie es sich mit den Zwergziegen verhielt. „Die kann ich euch erst in rund vier Wochen mitgeben. Ihr könnt sie vorreservieren, aber die kleinen sind noch zu jung“ sagte er. Als Mel ihm dann kurzerhand von unserem Vorhaben erzählte, das wir eines seiner Tiere gemeinsam mit einem Wildschwein halten wollten, machte dieser große Augen. Doch er fasste sich schnell und meinte, dass die Zwergziegen viel zu langsam wachsen würden, wohingegen Odin rasant an Gewicht zulegen würde. Er schlug uns deshalb vor normale Ziegen zu nehmen und stellte uns in diesem Zuge „Captain“ und „Havanna“ vor, die einige Wochen vorher pünktlich an Silvester als man gerade mit den namensgebenden Cocktails anstoßen wollte, dass Licht der Welt erblickten. Die beiden waren zuckersüß und sprangen selbstbewusst zwischen unseren Beinen umher. Wir hatten uns sofort verliebt und hätten sie auch sofort genommen...

...Doch auch diese beiden waren noch nicht bereit von ihrer Mutter getrennt zu werden. Als nächstes durften wir den dreijährigen Ziegenbock Egon begutachten, den der Ziegenhalter unbedingt in guten Händen wissen wollte, natürlich zu einem guten Preis. Für uns kam die riesige Ziege jedoch nicht in Frage, auch wenn der Bock es sicher direkt mit Odin aufgenommen hätte. Letztlich gelangten wir in das Gehege der Kamerunschafe.

Die quirligen, aber zumeist doch recht scheuen Tiere wirkten sichtlich nervös, als wir uns immer wieder Einzelnen von ihnen näherten, um uns die näher anzusehen. Mehrere der mittelgroßen Tiere kamen für uns in Frage. Ich tendierte zu den etwas größeren Schafen, da ich die Kräfteverhältnisse zu Odin sicher stellen wollte. Thorsten, der bereits Erfahrung in der Haltung von Kamerunschafen hatte, wollte hingegen einen jüngeren Schafbock auswählen, da dieser besser zu zähmen sei. Also verlies ich mich auf sein Urteil und wir wählten einen hübschen Kamerunschafwbock aus. Sein Name: Don Camillo.