Handaufzucht Wildschwein


ODIN - Eine saugute  Geschichte


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Odin - ein Tierischer umzug von der Rhön Ranch in den Spessart

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Odin - on tour

Dank der Mithilfe von Radio Charivari haben wir nun endlich ein neues Zuhause für Odin in einem kleinen Wildpark in Main Spessart gefunden. Je näher der große Umzugstermin in den rückt, desto häufiger erinnern wir uns aber auch an die guten alten Zeiten mit dem "kleinen" Odin, denn eines ist gewiss...wir werden ihn sehr vermissen!

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ein kumpel muss her: ein wildschwein im Schafspelz

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Handaufzucht Wildschwein 

 

Mitte November 2015 war ich wieder einmal bei unseren Nachbarn auf ein Feierabendbierchen zu Besuch. Eine Freundin des Hauses war auch mit ihren Kindern da. Ein recht zahmer Frischling, der einige Kilometer entfernt unter aufgesetzten Stohballen hausen sollte war das heutige Gesprächsthema. "Ihr veräppelt mich doch!" sagte ich. Etwas ungläubig und erstaunt hörte ich mir an was sie zu berichten hatten. „Wir waren eben erst mit den Kindern da!“ führte die Freundin beweisend an. „Das Schweinchen wird von den Leuten im Dorf seit einigen Monaten gefüttert und lässt sich sogar streicheln.“

Die Tochter meiner Gastgeberin fragte gleich mit flehenden Augen erst ihre Mutter, dann mich....“können wir das Schwein nicht fangen und behalten?!“ Ihre Mutter war von der Idee  ihrer Tochter gleich angetan, winkte dann aber sofort ab....“der Papa will das nicht... aber Tobi, ihr habt doch Platz.! Wollt ihr das süße Schweinchen nicht aufnehmen?!

Hmm, grundsätzlich konnte ich mir das schon vorstellen. Ein Wildschwein hat nicht jeder! Witzig wärs alle mal....aber  langsam! Ganz so einfach ist das nun auch nicht.

 

Letztlich versprach ich den Kindern, mich gleich am nächsten Tag der Sache anzunehmen. Gleich in der Früh, noch bevor ich in mein Reviertätigkeiten aufnahm, wollte ich mir selbst ein Bild machen und an der beschriebenen „Schweineburg“ vorbeischauen.

Schwer zu finden war die Behausung wahrlich nicht. Keine hundert Meter von der Straße entfernt sah ich schon von Weitem die pyramidenartig aufgesetzten Storhballen, abgedeckt mit einer großen Plane. Ich parke mein Auto einige Meter abseits hinter einer Hecke und lief die letzten Meter zu Fuß. Dabei hatte ich einige Äpfel und etwas Hundeleckeri um das Schwein anzulocken. Die Spuren des Bewohners waren eindeutig erkennbar. Vor einem Loch in der Abdeckung und zwischen den Strohballen lagen die Überreste der letzten Fütterungsversuche.

Ich lief also zweimal komplett um die Stohballen herum und versuchte das Schwein mit allen passenden Tonfolgen anzulocken. Aber mein Grunzen und Mietzen blieb erfolglos und ich zweifelte bereits stark  daran, dass dieses zahme Wildschwein überhaupt noch da ist. Etwa zehn Minuten legte ich mich auf die Lauer, aber als auch bei dieser Strategie keine Bewegung unter der Abdeckung auszumachen war trat ich leicht enttäuscht meine Rückweg an. Am Auto angekommen warf ich einen letzten Blick durch die Hecke in Richtung Stohballen....und siehe da! Es regte sich tatsächlich etwas. Eine sich bewegende Auswölbung unter der Plane verriet den kleinen gestreiften Bewohner. Am Ende der Abdeckung kam schließlich der Kopf des Schweinchens zum Vorschein. Mit prüfendem Blick in alle Richtungen sicherte es die Umgebung vor unbekannten Gefahren, bevor es sich daran machte zu fressen. „Es ist also doch da“...dachte ich mir grinsend. Als ich mich jedoch erneut versuchte zu nähern verschwand es erneut blitzschnell in den Tiefen seiner Burg und wollte für den Moment auch nicht weiter gestört werden. Also trat auch ich endgültig den Rückzug an. Am Nachmittag traf ich erneut meine Nachbarin und erzählte von meinem Erlebnis.

 

Grundsätzlich konnte ich mir schon vorstellen, dass wir den Frischling bei uns aufnehmen. Wir hatten auf unserer kleinen Ranch einen ausreichenden Auslauf, der eigentlich für unsere Hühner reserviert war. Seit einigen Wochen stand er jedoch leer, da ein Marder seinen Blutdurst an den Hühnern gestillt hatte.

Das Für und Wieder des Projekts abwägend überlegte ich außerdem, dass die Behausung in direkter Nähe zur Straße keine Dauerlösung sei. Früher oder später musste es zu einem Unfall mit unabsehbaren Folgen für Mensch und Schwein kommen. Die Strohballen würden zudem irgendwann in den kommenden Monaten abgefahren werden. Ein halb zahmes, aber zunehmend kräftigeres Wildschwein in direkter Dorfnähe könnte zudem auf Dauer zu einer Gefahr für allzu unachtsame Eltern und v.a. für ihre Kinder werden, die mit dem Schwein wie mit einem kleinen Hund scherzten. Bedenken hatte ich dagegen vor allem wegen unserer beiden Jagdhunde Bella und Lilly. Wie würden Sie auf das Wildschwein reagieren? Und wie Diana? Sie würde natürlich auch nicht verschont bleiben von den Folgen eines immer größer werdenden Wildschweins in unserem Garten. Wäre hier überhaupt eine artgerechte Haltung möglich und für wie lange? Von möglichen Kosten für Futter, Tierarzt etc. einmal ganz abgesehen.

 

Bei allen Bedenken war die Entscheidung für mich aber bereits zugunsten der Rettung des kleinen Wildschweins gefallen. Vorab galt es allerdings noch einige Dinge zu klären. Angesichts solcher Worte fieberten die  Nachbarskinder natürlich mit großen Augen einem sich abzeichnenden Happy End  entgegen.

 

Ich rief also meinem Vermieter Thorsten bzw. das Kommunen-Oberhaupt an, um sein Einverständnis einzuholen. Er lachte sich halb schlapp angesichts der neuesten Idee seines verrückten Försters, willigte aber kurzum ein und gab mir freie Hand für das Vorhaben.

Nun musste ich noch den Jagdpächter kontaktieren ohne dessen Erlaubnis die Rettung des Schweinchens scheitern würde.....