Vorüberlegungen Autokauf

Hier bist du richtig, wenn du vor hast in Kanada ein Auto, Van, Truck oder Wohnmobil bzw. Wohnwagen kaufen möchtest. Im Folgenden möchte ich dir 7 Tipps geben, die dir helfen werden den richtigen Gefährten für deine Kanadareise zu finden. 

Für uns gab es grundsätzlich 3 Möglichkeiten für einen fahrbaren Untersatz....

a) Ein Auto/Wohnmobil (RV) mieten

   Für längere Reisen unerschwinglich, v.a. in der Hauptsaison. Mieten macht aus meiner Sicht nur Sinn, wenn ihr max. 4 Wochen unterwegs        

   seid (möglichst Frühbucherangebote ausnutzen!!!! Wohnmobile z.B. bei Fraserway, Canadream, CruiseCanada)

b) Unseren treuen T3 Bulli verschiffen

    Viel zu teuer, es sei denn ihr bereit seid euren Gefährten in Kanada zu verkaufen und wenn ihr im Osten Kanadas starten wollt (Verschiffung

    nach Halifax, z.B. mit Seabridge) oder eine Langzeitreise durch Nord- und Südamerika plant (z.B. entlang der PanAmericana)

c) Ein Fahrzeug kaufen und zulassen,

    mit der Option es am Ende der Reise wieder, idealerweise mit Gewinn, zu verkaufen.

 

Wir haben uns letztlich für Variante c) entschieden, auch wenn die Vorstellung mit unserem 1986er T3 Bulli durch Nordamerika zu cruisen sehr verlockend erschien.

Hier meine 7 Tipps, die du in deine Vorüberlegungen unbedingt berücksichtigen solltest!!!

Tipp 1: Lege fest was du willst und wieviel du max. ausgeben möchtest

Grundvoraussetzung für unser Gefährt war ein bequemer Schlafplatz für zwei Personen. Ausreichend Platz für unser Gepäck. Küche, Toilette und Dusche wären zwar nett, aber nicht zwingend. Es sollte eine amerikanische Marke sein, da dies im Fall einer Reparatur vor Ort günstiger kommt. Der Preisrahmen sollte sich im Bereich von max. 3000€ bzw. 4500CAD bewegen.

Tipp 2: Größer geht immer! Was brauchst du wirklich?

In Nordamerika gelten andere Größennormen, die sich meist von denen in Europa enorm unterscheiden. Für unsere Roadtrips kamen klassische Wohnmobile (RVs), Campervans, Truckcamper oder umgebaute Minivans in Frage. Diese lassen sich folgendermaßen grob unterschieden...

a) klassische Wohnmobile (kurz RV = recreational vehicle):

Vollausstattung (Bad, Küche, Bett, Multimedia), relativ hoher Verbrauch, unflexibel in bewohnten Gebiet, kostenpflichtige Campingplätze/RV Parks mehr oder weniger zwingend notwendig für die Übernachtung. Je nach Größe und Ausstattung werden RVs in Class A (riesig), Class C (mittelgroß) und Class B (Camper Van Style). Class A RVs sind für 95% der Reisenden tabu wegen der Größe und Kosten. Für vollen Komfort schaut euch nach Class C`s um. Wenn Ihr aufgrund des reduzierten Platzangebots Abstriche bei Bad, Küche und Bett akzeptiert, dann solltet ihr euch vor allem nach den kostengünstigeren Class B`s umsehen.

b) Auto - Wohnwagen und 5th Wheelvarianten

Hier zieht eine ausreichend motorisierte Zugmaschine einen Wohnwagen oder ein sog. 5th-Wheel (setzt Pickup voraus). Wohnwagen haben Teil- bis Vollausstattung. Diese Variante ist flexibel bei Ausflügen und in der Stadt, da Wohnwagen einfach z.B. am Campingplatz abgestellt werden kann. Ohne Wohnwagen verbraucht die Zugmaschine deutlich weniger Kraftstoff. Bei Reparaturen bleibt einem im Unterschied zum RV im Fall einer Reparatur wenigstens ein Teil (Zugpferd oder Schneckenhaus), mit dem man mobil bleibt bzw. ein Dach über dem Kopf hat. Wohnwägen sind außerdem relativ wartungsarm. 

Nachteilig kann sich der Fahrkomfort auswirken. Rückwärts einparken kann so für Ungeübte zur Herausforderung werden. 

c) Campervan (Class B)

Je nach Modell Teil- bis Vollausstattung, flexibel v.a. in bewohntem Gebieten, einfach zu fahren, geringerer Verbrauch als größere RVs, Übernachtung ist fast überall möglich (sofern man sich an gewisse Regeln hält).

d) Truckcamper:

Je nach Modell Teil- bis Vollausstattung, sehr flexibel v.a. in ländlichem Raum und offroad, relativ einfach zu fahren, geringerer Verbrauch, Wohnbereich abnehmbar, häufig geländegängig (4WD)

e) Minivan (mit/ohne Campingumbau)

Keine Dusche, Bad, Toilette. Je nach Modell und Umbau Platz für Gepäck und Matratze, flexibel in bewohntem Gebiet, einfach zu fahren, geringster Verbrauch im Vergleich, zahlreich vorhanden, günstig zu kaufen und leicht zu verkaufen. Häufig werden die hinteren Sitzreihen ausgebaut oder versenkt (Stow n Go) und Holzkonstruktionen für Matratzen eingebaut. Unter dem Bett findet sich dann genügend Stauraum für Gepäck und Campingausrüstung. Umbauten können von Travellern häufig günstig übernommen werden.

Tipp 3: Informiere dich vorab auf den gängigen Verkaufsportalen!

Meine Suche begann bereits Monate vor unserer Reise im Internet. Zum Einen, wollte ich mich über die amerikanischen Modelle informieren, von denen ich bis dato keinen Schimmer hatte, und zum anderen um ein Gefühl für das Preisniveau zu bekommen. Die besten Seiten für die Suche sind meiner Meinung nach Craigslist, Kijjii, Autotrader und lokale Webseiten wie z.B. used.ca. Die ersten beiden Seiten widmen sich dem Privatverkauf, ebenso wie used.ca. Auf Autotrader findet ihr eher von Händlern angebotene Fahrzeuge. Wenn ihr Termine für eine Besichtigung ausmacht, versucht immer zuerst telefonisch Kontakt aufzunehmen. E-Mails werden, wenn überhaupt meist nur sehr zeitverzögert beantwortet. Das kostet euch Zeit, Nerven und die Chancen schwinden einer der Ersten für einen Besichtigungstermin zu sein. Die besten Schnäppchen sind meist sehr schnell verkauft! Am Besten legt ihr euch vor Ort eine kanadische Nummer zu, z.B. von den beiden größten Anbietern Telus oder BellFidoKoodo und publicmobile nutzen die Netze der großen Anbieter, sind aber deutlich günstiger. Kleinere Prepaidkarten-Anbieter wie Chatr sind vergleichsweise günstiger, bieten aber außerhalb der Städte deutlich schlechteren Empfang. In der Regel könnt ihr die Netzabdeckung des Anbieters vorab online checken.

Tipp 4: Bestimme vorab Marken- & Modelle, die für dich in Frage kommen

Wenn es letztlich um die Marken- und Modellwahl geht, sind wir mittendrin. Bei den Minivans landet man sehr schnell beim Dodge Caravan. Nur dieser hat versenkbare Sitze (Stow n Go). Die vorhandenen Sitze wirken sich bei einem Wiederverkauf sehr positiv aus. Wenn man auf die hinterste Sitzreihe verzichtet, aber die mittleren Pilotsitze behält, kann man diese z.B. am Campingplatz schnell ausbauen und hat sie als Sitz am Lagerfeuer zur Verfügung. Ordentliche Dodge Caravan bekommt man für 3000-4000 CAD im Raum Vancouver und Victoria wie Sand am Meer. Alternativ gibt es beispielsweise den Ford Windstar schon für deutlich unter 3000 CAD.

Wenn es eine Nummer größer sein soll, kann ich den Chevy Astro und den Ford Econoline E150 oder E250 mit und ohne Campingausbau empfehlen. Auch Transportervarianten sind denkbar. Für längere Reisen kann es sich durchaus lohnen einen günstigen Transporter individuell umzubauen. Die älteren Modelle bekommt man ab 4000 CAD. Je nach Alter, Zustand, Ausstattung und Kilometer steigen die Preise aber schnell an. Ich habe persönlich mit beiden Modellen sehr gute Erfahrungen gemacht.

 

Mit den Truckcampern habe ich mich nur am Rande beschäftigt, da der Fokus von Beginn an bei den Mini- & Campervans lag. Allerdings haben wir uns einen 2001er Chevy Silverado mit Camperaufbau angesehen....und hätten ihn auch fast für 3500 CAD gekauft. Allerdings verlor der Wagen massiv Öl, was ich zum Glück direkt feststellen konnte. Abgesehen davon sind Ford (fahre ich aktuell selbst), Chevi oder Dodge Ram Pickups. Bei den asiatischen Marken solltet ihr den Toyota Tacoma in betracht ziehen. Bei allen Modellen ist darauf zu achten, dass ihr die Gewichtsbegrenzungen beachtet. Der aufgesetzte Campereinheit ist nicht gerade leicht, daher benötigt ihr in der Regel einen 3/4 ton truck, also die Varianten Ford F250, Chevi 2500, Ram 2500 usw.

Tipp 5: Eigne dir technischer Grundwissen an oder lass dich beraten!

Je nachdem wieviel Erfahrung ihr beim Autokauf habt, solltet ihr euch zumindest einige technische Basics vorab aneignen. Wichtig sind meiner Meinung nach v.a. folgende Fragestellungen:

  • Ölverlust durch Undichtigkeiten am Motor bzw. sonstiger Flüssigkeitsverlust, v.a. Kühler
  • letzter Wechsel und Stand von Öl, Bremsflüssigkeit, Kühlmittel, Getriebeöl bei Automatik
  • Funktion aller Anzeigen und keine Warnlampen (v.a. check engine light)
  • Zustand von Bremsen und Reifen (v.a. auch für Wiederverkauf wichtig)
  • letzter Zündkerzen- und Batteriewechsel
  • Risse in der Windschutzscheibe
  • letzter Zahnriemenwechsel (= Timing Belt) falls vorhanden
  • Allgemeinzustand (Rost? Dellen?) v.a. wichtig bei Wiederverkauf!
  • Funktionsfähigkeit aller technischen Einrichtungen (v.a. zahlreich RVs bei Vollausstattung mit Küche/Bad)

Wer sich gar nicht auskennt lässt auf jeden Fall eine Werkstatt vor dem Kauf drüber schauen (z.B Canadian Tire). Das kostet zwar 100-150 CAD, erspart euch aber evtl. einigen Ärger. Empfehlenswert ist zudem die Auto Historie über "Carfax" einzuholen, welche Auskunft über Vorbesitzer, frühere Schäden/Unfälle und Schuldenbelastungen gibt. Ansonsten ist die Liste der möglichen technischen Mängel lang und führt hier zu weit. Habt ihr ein bestimmtes Modell in die engere Auswahl genommen könnt ihr euch natürlich auch gezielt über die modellabhängigen Schwachstellen informieren und beim Kauf danach gezielt Ausschau halten. Bei  der obligatorischen Probefahrt lässt sich letztlich ebenfalls einiges ausschließen - dabei solltet ihr unbedingt das Radio ausschalten und euren Tast-, Geruchs- und Gehörsinn einschalten. Bei Fragen könnt ihr euch auch an mich wenden!!!

 

Zusatztipp:

  • Fahrt auf den Highway oder lasst auf jeden Fall das Gefährt warm laufen. Teilweise leuchten Warnleuchten erst dann auf oder die Temperaturanzeige bleibt unverändert auf null, was auf ein defektes Kühlsystem hindeuten kann (ist mir schon passiert). 
  • Lenkt vollständig nach links und rechts (im Standbetrieb) und lauscht nach ungewöhnlichen Geräuschen

Tipp 6: Händler- vs. Privatkauf

Beide Kaufvarianten haben Vor- und Nachteile. Beim Händler ist häufig eine Garantie mit dem Kauf enthalten. Aber was nutzt mir die Garantie tausende Meilen entfernt, wenn der Motor mitten in der Wildnis nicht mehr starten will? Zudem möchte der Händler immer einen Gewinn machen. Manch privater Verkäufer will dagegen sein liebstes Stück einfach nur in guten Händen wissen oder aber er/sie braucht dringend Geld und ist bereit deutlich günstiger zu verkaufen. Wichtig zu wissen ist, dass unabhängig vom Kauf bei der Kfz-Anmeldung in Kanada Steuern in Abhängigkeit vom vertraglich festgelegten Kaufpreis zu zahlen sind. Kurzum, je höher der Kaufpreis auf dem Vertrag, desto höher die Steuer...

Nachdem die Technik durch euch selbst, einer Werkstatt und evtl zusätzlich durch Carfax geprüft wurde, muss letztlich das Bauchgefühl über den Kauf entscheiden...und das hat uns zweimal sicherlich größere Probleme erspart.

Tipp 7: Kaufpreis verhandeln - nicht zocken!

Natürlich solltet ihr über den Kaufpreis im Rahmen des Möglichen verhandeln. Wie weit ihr damit geht hängt natürlich auch wesentlich davon ab wie gut euch das Kfz gefällt. Vor allem aber von euren Argumenten. Habt ihr euer Traumgefährt gefunden, sollte es nicht an 200 Dollar mehr scheitern. Es kann durchaus sein, dass fünf andere Interessenten bereits Schlange stehen und ihr die Gunst der Stunde nutzen solltet, da ihr das Glück habt die Ersten zu sein....also Handeln, nicht zocken...und bei einem guten Deal zuschlagen. Letztlich lag auch unser Dark Rider Van ca. 200CAD über meinem Kauflimit. Aber ich musste ihn einfach haben und wir haben es nicht bereut ;-)


Canada, eh?