Auto Suche - Jetzt wird's ernst!

Meine Suche begann bereits Monate vor unserer Reise im Internet. Zum Einen, um sich über die amerikanischen Modelle zu informieren, von denen ich bis dato keinen Schimmer hatte, und zum anderen um ein Gefühl für das Preisniveau zu bekommen. Die besten Seiten für die Suche sind meiner Meinung nach Craigslist, Kijjii, Autotrader und lokale Webseiten wie z.B. used.ca oder auch FB-Gruppen. Die ersten beiden Seiten widmen sich dem Privatverkauf, ebenso wie used.ca. Auf Autotrader findet ihr eher von Händlern angebotene Fahrzeuge. Wenn ihr Termine für eine Besichtigung ausmacht, versucht immer zuerst telefonisch Kontakt aufzunehmen. E-Mails werden wenn überhaupt meist nur sehr zeitverzögert beantwortet. Das kostet Zeit, Nerven und die Chancen schwinden einer der Ersten zu sein. Am Besten legt ihr euch vor Ort eine kanadische Nummer zu, z.B. von den beiden größten Anbietern Telus oder Bell, Fido und Koodo nutzen die Netze der großen Anbieter, sind aber deutlich günstiger. Kleinere Prepaidkarten-Anbieter wie Chatr sind vergleichsweise günstiger, bieten aber außerhalb der Städte deutlich schlechteren Empfang. In der Regel könnt ihr die Netzabdeckung des Anbieters vorab online checken. Für Verträge benötigt ihr eine Sozialversicherungsnummer, daher scheidet diese Option für den touristischen Aufenthalt aus.

Marken- & Modellwahl 

Wenn es letztlich um die Marken- und Modellwahl geht, sind wir mittendrin. Macht am besten mal eine kleine Internetrecherche, welche Marken bzw. Modelle für euch in Frage kommen. Bei den Minivans landet man sehr schnell beim Dodge Caravan, den es wie Sand am Meer gibt. Seht euch nach Modellen mit versenkbaren Sitzen (Stow´n Go) um. Die sind super praktisch. Generell wirken sich vorhande Sitze natürlich positiv beim Wiederverkauf aus. Sitzbänke oder Pilotsitze älterer Modelle lassen sich häufig sehr einfach am Campingplatz ausbauen und stehen so als bequemer Sitz am Lagerfeuer zur Verfügung. Ordentliche Dodge Caravan bekommt ihr für 3000-4000 CAD. Alternativ gibt es beispielsweise den Ford Windstar schon für deutlich unter 3000 CAD.

Wenn es eine Nummer größer sein soll, kann ich den Chevy Astro sowie Dodge Ram und Ford Econoline Varianten mit und ohne Campingausbau als Vans empfehlen. Für längere Reisen kann es sich durchaus lohnen einen günstigen Transporter (Cargo Van) individuell umzubauen. Die älteren Modelle bekommt man bereits unter 4000 CAD. Je nach Alter, Zustand, Ausstattung und Kilometer steigen die Preise aber schnell an. Ich habe mit alle Modellen und Varianten sehr gute Erfahrungen gemacht.

Mit den Truckcampern habe ich mich nur am Rande beschäftigt, da der Fokus von Beginn an bei den Mini- & Campervans bzw. später den RV`s lag. Allerdings haben wir uns einen 2001er Chevy Silverado mit Camperaufbau angesehen....und hätten ihn auch fast für 3500 CAD gekauft. Allerdings verlor der Wagen massiv Öl, was ich zum Glück direkt feststellen konnte. Im Allgemeinen liegt dem Gedanken zum Kauf eines Truckcampers in erster Linie die Offroadtauglichkeit und die Möglichkeit die Wohnkabine vom Pickup Truck trennen zu können zugrunde.

Die Technik

Je nachdem wieviel Erfahrung ihr beim Autokauf habt, solltet ihr euch zumindest einige technische Basics vorab aneignen. Das gilt natürlich erstmal für den Autokauf, kann aber auch von Bedeutung sein, wenn ihr mitten in der Wildnis eine Panne habt. Macht euch euer Gefährt zum Freund. Wichtig sind meiner Meinung beim Kauf vor allem folgende Fragen:

 

- Ölverlust durch Undichtigkeiten am Motor bzw. sonstiger Flüssigkeitsverlust, v.a. Kühler

- letzter Wechsel und Stand von Öl, Bremsflüssigkeit, Kühlmittel, Getriebeöl bei Automatik

- letzter Zahnriemenwechsel (= Timing Belt)

- Zustand von Bremsen und Reifen (für den Wiederverkauf wichtig)

- Allgemeinzustand (Rost? => wichtig bei Wiederverkauf!)

- Funktionsfähigkeit aller technischen Einrichtungen

  (v.a. in RV`s bei Vollausstattung mit Küche/Bad zahlreich)

 

Wer sich gar nicht auskennt lässt auf jeden Fall eine Werkstatt vor dem Kauf drüber schauen. Das kostet zwar 100-150 CAD, erspart euch aber evtl. einigen Ärger. Empfehlenswert ist zudem die Auto Historie über "Carproof" einzuholen, welche Auskunft über Vorbesitzer, frühere Schäden/Unfälle und Schuldenbelastungen gibt. Ansonsten ist die Liste der möglichen technischen Mängel lang und führt hier zu weit. Habt ihr ein bestimmtes Modell in die engere Auswahl genommen könnt ihr euch natürlich auch gezielt über die modellabhängigen Schwachstellen online informieren und beim Kauf danach gezielt Ausschau halten. Bei  der obligatorischen  Probefahrt lässt sich letztlich auch einiges ausschließen - dabei solltet ihr unbedingt das Radio ausschalten und im Gegenzug euren Tast-, Geruchs- und Gehörsinn einschalten!

 

Händler- vs. Privatkauf

Beide Kaufvarianten haben Vor- und Nachteile. Beim Händler ist teilweise eine Garantie enthalten, aber was nutzt mir diese tausende Meilen entfernt, wenn der Motor mitten in der Wildnis nicht mehr starten will? Zudem möchte der Händler immer einen Gewinn machen, wohingegen manch privater Verkäufer sein liebstes Stück einfach nur in guten Händen wissen will und der Verkaufspreis teilweise nur zweitrangig ist. Ich persönlich tendiere grundsätzlich zum Privatkauf und bin bisher damit immer gut gefahren. Wichtig zu wissen ist auch, dass bei beiden Kaufvarianten, auf den vertraglich festgesetzten Kaufpreis bei der Kfz-Anmeldung in Kanada nochmals ca. 10% Steuern zu zahlen sind.

Nachdem die Technik geprüft wurde (selbst, Werkstatt, Carproof) muss letztlich das Bauchgefühl über den Kauf entscheiden...und das hat uns zweimal sicherlich größere Probleme erspart.

 

Kaufpreis verhandeln 

Natürlich solltet ihr über den Kaufpreis im Rahmen des Möglichen verhandeln. Wie weit ihr damit geht hängt natürlich auch wesentlich davon ab wie gut euch das Auto gefällt. Vor allem aber auch von euren Argumenten. Habt ihr euer Traumgefährt gefunden, sollte es nicht an 200 CAD mehr scheitern. Es kann durchaus sein, dass fünf andere Interessenten bereits Schlange stehen und ihr die Gunst der Stunde nutzen solltet, da ihr das Glück habt die Ersten zu sein....also Handeln, nicht zocken...und bei einem guten Deal zuschlagen. Letztlich lag auch ich bei unseren Van ca. 200CAD über meinem Kauflimit. Ich musste ihn einfach haben und wir haben es nicht bereut. Letzlich haben wir ihn am Ende unserer Reise für 1000CAD mehr wieder verkauft ;-)