Prinzipiell gab es für uns 3 Möglichkeiten für einen fahrbaren Untersatz....

 

a) Ein Auto/Wohnmobil (RV) mieten => unerschwinglich, v.a. in der Hauptsaison, macht aus

   meiner Sicht nur Sinn, wenn ihr max. 4 Wochen unterwegs seid (möglichst Frühbucher-

   angebote ausnutzen!!!! z.B. bei Fraserway, Canadream, CruiseCanada)

 

b) Unseren treuen T3 Bulli verschiffen => zu teuer, macht nur Sinn, wenn ihr bereit seid

   euren Gefährten in Kanada verkaufen und im Osten Kanadas starten wollt (Verschiffung

   nach Halifax, z.B. mit Seabridge) oder eine Langzeitreise durch Nord- und Südamerika

   plant (z.B. entlang der PanAmericana)

 

c) Ein Fahrzeug kaufen und zulassen, mit der Option es am Ende der Reise wieder, idealer-

   weise zum selben/höheren Preis, zu verkaufen.

 

Wir haben uns letztlich für Variante c) entschieden, auch wenn die Vorstellung mit unserem Bulli durch Nordamerika zu cruisen sehr verlockend war.

 

Kriterien Autowahl

Grundvoraussetzung für unser Gefährt war ein bequemer Schlafplatz für zwei Personen. Ausreichend Platz für unser Gepäck. Küche, Toilette und Dusche wären zwar nett, aber nicht zwingend. Es sollte eine amerikanische Marke sein, da dies im Fall einer Reparatur vor Ort günstiger kommt. Der Preisrahmen sollte sich im Bereich von max. 3000€ bzw. 4500CAD bewegen.

 

Autowahl - Größer geht immer

Für unsere Zwecke kamen klassische Wohnmobile (RVs), Campervans, Truckcamper oder umgebaute Minivans in Frage. Diese lassen sich folgendermaßen grob unterschieden...

 

a) klassische Wohnmobile (kurz RV):

Vollausstattung (Bad, Küche, Multimedia), relativ hoher Verbrauch, unflexibel in bewohnten Gebiet, Campingplätze/RV Parks mehr oder weniger zwingend notwendig für die Übernachtung.

 

b) Campervan:

Je nach Modell Teil- bis Vollausstattung, flexibel v.a. in bewohntem Gebieten, einfach zu fahren, geringerer Verbrauch als RVs, Übernachtung fast überall möglich (sofern man sich an gewisse Regeln hält).

 

c) Truckcamper:

Je nach Modell Teil- bis Vollausstattung, sehr flexibel v.a. in ländlichem Raum und offroad, relativ einfach zu fahren, geringerer Verbrauch, Wohnbereich abnehmbar, häufig geländegängig (4WD)

 

d) Minivan (Umbau)

Keine Dusche, Bad, Toilette. Je nach Modell und Umbau Platz für Gepäck und Matratze, flexibel in bewohntem Gebiet, einfach zu fahren, geringster Verbrauch im Vergleich, zahlreich vorhanden, günstig zu kaufen und leicht zu verkaufen. Häufig werden die hinteren Sitzreihen ausgebaut oder versenkt (Stow n Go) und Holzkonstruktionen für Matratzen eingebaut. Unter dem Bett findet sich dann genügend Stauraum für Gepäck und Campingausrüstung.Umbauten können von Travellern häufig günstig übernommen werden.

 

e) Auto - Wohnwagen/5Wheelvarianten

Ausreichend motorisierte Zugmaschine zieht Wohnwagen, Wohnwagen mit Teil- bis Vollausstattung, flexibel bei Ausflügen und in der Stadt, da Wohnwagen einfach abgestellt werden kann, ohne Wohnwagen, geringer Verbrauch je nach Wahl des Autos,

 

Auto Suche - Jetzt wird's ernst!

Meine Suche begann bereits Monate vor unserer Reise im Internet. Zum Einen, um sich über die amerikanischen Modelle zu informieren, von denen ich bis dato keinen Schimmer hatte, und zum anderen um ein Gefühl für das Preisniveau zu bekommen. Die besten Seiten für die Suche sind meiner Meinung nach Craigslist, Kijjii, Autotrader und lokale Webseiten wie z.B. used.ca Die ersten beiden Seiten widmen sich dem Privatverkauf, ebenso wie used.ca. Auf Autotrader findet ihr eher von Händlern angebotene Fahrzeuge. Wenn ihr Termine für eine Besichtigung ausmacht, versucht immer zuerst telefonisch Kontakt aufzunehmen. E-Mails werden wenn überhaupt meist nur sehr zeitverzögert beantwortet. Das kostet Zeit, Nerven und die Chancen schwinden einer der Ersten zu sein. Am Besten legt ihr euch vor Ort eine kanadische Nummer zu, z.B. von den beiden größten Anbietern Telus oder Bell, Fido und Koodo nutzen die Netze der großen Anbieter, sind aber deutlich günstiger. Kleinere Prepaidkarten-Anbieter wie Chatr sind vergleichsweise günstiger, bieten aber außerhalb der Städte deutlich schlechteren Empfang. In der Regel könnt ihr die Netzabdeckung des Anbieters vorab online checken.

 

Marken- & Modellwahl

Wenn es letztlich um die Marken- und Modellwahl geht, sind wir mittendrin. Bei den Minivans landet man sehr schnell beim Dodge Caravan. Nur dieser hat versenkbare Sitze (Stow n Go). Die vorhandenen Sitze wirken sich bei einem Wiederverkauf sehr positiv aus. Wenn man auf die hinterste Sitzreihe verzichtet aber die mittleren Pilotsitze behält, kann man diese z.B. am Campingplatz schnell ausbauen und hat sie als Sitz am Lagerfeuer zur Verfügung. Hintere Sitzreihen werden für rund 150 CAD gehandelt. Ordentliche Dodge Caravan bekommt man für 3000-4000 CAD im Raum Vancouver und Victoria. Alternativ gibt es beispielsweise den Ford Windstar schon für deutlich unter 3000 CAD.

 

Wenn es eine Nummer größer sein soll, kann ich den Chevy Astro und Ford Econoline mit und ohne Campingausbau empfehlen. Auch Transportervarianten sind denkbar. Für längere Reisen kann es sich durchaus lohnen einen günstigen Transporter individuell umzubauen. Die älteren Modelle bekommt man ab 4000 CAD. Je nach Alter, Zustand, Ausstattung und Kilometer steigen die Preise aber schnell an. Ich habe mit beiden Modellen sehr gute Erfahrungen gemacht.

 

Mit den Truckcampern habe ich mich nur am Rande beschäftigt, da der Fokus von Beginn an bei den Mini- & Campervans lag. Allerdings haben wir uns einen 2001er Chevy Silverado mit Camperaufbau angesehen....und hätten ihn auch fast für 3500 CAD gekauft. Allerdings verlor der Wagen massiv Öl, was ich zum Glück direkt feststellen konnte.

 

Die Technik

Je nachdem wieviel Erfahrung ihr beim Autokauf habt, solltet ihr euch zumindest einige technische Basics vorab aneignen. Wichtig sind meiner Meinung nach v.a. folgende Fragen:

 

- Ölverlust durch Undichtigkeiten am Motor bzw. sonstiger Flüssigkeitsverlust, v.a. Kühler

- letzter Wechsel und Stand von Öl, Bremsflüssigkeit, Kühlmittel, Getriebeöl bei Automatik

- letzter Zahnriemenwechsel (=Timing Belt)

- Zustand von Bremsen und Reifen (auch für Wiederverkauf wichtig)

- Allgemeinzustand (Rost?) v.a. wichtig bei Wiederverkauf!

- Funktionsfähigkeit aller technischen Einrichtungen

  (v.a. bei Volausstattung mit Küche/Bad zahlreich)

 

Wer sich gar nicht auskennt lässt auf jeden Fall eine Werkstatt vor dem Kauf drüber schauen. Das kostet zwar 100-150 CAD, erspart euch aber evtl. einigen Ärger. Empfehlenswert ist zudem die Auto Historie über "Carproof" einzuholen, welche Auskunft über Vorbesitzer, frühere Schäden/Unfälle und Schuldenbelastungen gibt. Ansonsten ist die Liste der möglichen technischen Mängel lang und führt hier zu weit. Habt ihr ein bestimmtes Modell in die engere Auswahl genommen könnt ihr euch natürlich auch gezielt über die modellabhängigen Schwachstellen informieren und beim Kauf danach gezielt Ausschau halten. Bei  der obligatorischen  Probefahrt lässt sich letztlich auch einiges ausschließen - dabei solltet ihr unbedingt das Radio ausschalten und euren Tast-, Geruchs- und Gehörsinn einschalten!

 

Händler- vs. Privatkauf

Beide Kaufvarianten haben Vor- und Nachteile. Beim Händler ist evtl. eine Garantie enthalten, aber was nutzt mir diese tausende Meilen entfernt, wenn der Motor mitten in der Wildnis nicht mehr starten will? Zudem möchte der Händler immer einen Gewinn machen, wohingegen manch privater Verkäufer sein liebstes Stück einfach nur in guten Händen wissen will und der Verkaufspreis teilweise nur zweitrangig ist. Wichtig zu wissen ist, dass bei beiden Verkaufsvarianten bei der Kfz-Anmeldung in Kanada Steuern in Abhängigkeit vom vertraglich festgelegten Kaufpreis zu zahlen sind.

 

Nachdem die Technik geprüft wurde (selbst, Werkstatt, Carproof) muss letztlich das Bauchgefühl über den Kauf entscheiden...und das hat uns zweimal sicherlich größere Probleme erspart.

Händler gibt es im Großraum Vancouver viele. Ein Schwerpunkt liegt dabei sicher in Surrey, südöstlich von Vancouver. Zunächst hatte ich den Plan dort nach Fahrzeugen zu suchen. Nachdem mir von den Locals aufgrund häufiger Schießereien aber mehrfach davon abgeraten wurde, habe ich das wieder sein lassen.

 

Kaufpreis verhandeln

Natürlich solltet ihr über den Kaufpreis im Rahmen des Möglichen verhandeln. Wie weit ihr damit geht hängt natürlich auch wesentlich davon ab wie gut euch das Auto gefällt. Vor allem aber auch an euren Argumenten. Habt ihr euer Traumgefährt gefunden, sollte es nicht an 200 CAD mehr scheitern. Es kann durchaus sein, dass fünf andere Interessenten bereits Schlange stehen und ihr die Gunst der Stunde nutzen solltet, da ihr das Glück habt die Ersten zu sein....also Handeln, nicht zocken...und bei einem guten Deal zuschlagen. Letztlich lag auch ich bei unseren Van ca. 200CAD über meinem Kauflimit. Ich musste ihn einfach haben und wir haben es nicht bereut ;-)