Buy a car in British Columbia

Bereits vor unseren 3 monatigen Roadtrip durch den Nordwesten Kanadas und Alaska habe ich mir  Gedanken gemacht, wie wir die insgesamt rund 10.000km wohl möglichst kostengünstig, bequem und sicher bewältigen können. Meine Internetrecherche hierzu ergab leider nur sehr spärliche und teilweise widersprüchliche Informationen. Die hilfreichste Seite zu dem Thema war für mich der Blog von thomasguthmann. Ich möchte euch daher jetzt, da wir erfolgreich einen super genialen Ford Econoline 150 Van gekauft und zugelassen haben von unseren Erfahrungen zum Thema "Autokauf in Kanada (speziell BC)" berichten.

 

Vorüberlegungen: Prinzipiell gab es für uns 3 Möglichkeiten für einen fahrbaren Untersatz....

 

a) Ein Auto/Wohnmobil (RV) mieten => unerschwinglich, v.a. in der Hauptsaison, macht aus

    meiner Sicht nur Sinn, wenn ihr max. 4 Wochen unterwegs seid (möglichst Frühbucher-

    angebote ausnutzen!!!! z.B. bei Fraserway, Canadream)

b) Unseren treuen T3 Bulli verschiffen => zu teuer, macht nur Sinn, wenn ihr euren treuen

    Gefährten in Kanada verkaufen und im Osten Kanadas starten wollt (Verschiffung nach

    Halifax, z.B. mit Seabridge).

c) Ein Fahrzeug kaufen und zulassen => mit der Option es am Ende der Reise wieder,

    idealerweise zum selben/höheren Preis, zu verkaufen.

 

Wir haben uns letztlich für Variante c) entschieden, auch wenn die Vorstellung mit unserem Bulli durch Nordamerika zu cruisen sehr verlockend war.

 

Kriterien Autowahl 

Grundvoraussetzung für unser Gefährt war ein bequemer Schlafplatz für zwei Personen. Ausreichend Platz für unser Gepäck. Küche, Toilette und Dusche wären zwar nett, aber nicht zwingend. Es sollte eine amerikanische Marke sein, da dies im Fall einer Reparatur vor Ort günstiger kommt. Der Preisrahmen sollte sich im Bereich von max. 3000€ bzw. 4500CAD bewegen.

 

Autowahl - Größer geht immer

 

Für unsere Zwecke kamen klassische Wohnmobilen (RVs), Campervans, Truckcamper oder umgebaute Minivans in Frage. Diese lassen sich folgendermaßen grob unterschieden...

 

a) klassische Wohnmobile (kurz RV):

Vollausstattung (Bad, Küche, Multimedia), hoher Verbrauch, unflexibel in bewohnten Gebiet, Campingplätze/RV Parks mehr oder weniger zwingend für die Übernachtung

 

b) Campervan:

Je nach Modell bis Vollausstattung, flexibel v.a. in bewohntem Gebieten, einfach zu fahren, geringerer Verbrauch, Übernachtung überall möglich (sofern man nicht sein Campingequipment auf der Straße verteilt) 

 

c) Truckcamper:

Je nach Modell bis Vollausstattung, flexibel v.a. in ländlichem Raum, relativ einfach zu fahren, geringerer Verbrauch, Wohnbereich abnehmbar, häufig geländegängig (4WD)

 

d) Minivan (Umbau)

Keine Dusche, Bad, Toilette. Je nach Modell und Umbau Platz für Gepäck und Matratze, flexibel in bewohntem Gebiet, einfach zu fahren, geringster Verbrauch im Vergleich, zahlreich vorhanden, günstig zu kaufen und leicht zu verkaufen. Häufig werden die hinteren Sitzreihen ausgebaut oder versenkt (Stow n Go) und Holzkonstruktionen für Matratzen eingebaut. Unter dem Bett findet sich dann genügend Stauraum für Gepäck und Campingausrüstung.

 

Auto Suche - Jetzt wird's ernst!

Meine Suche begann bereits Monate vor unserer Reise im Internet. Zum einen, um sich über die amerikanischen Modelle zu informieren, von denen ich bis dato keinen Schimmer hatte, zum anderen um ein Gefühl für das Preisniveau zu bekommen. Die besten Seiten für die Suche sind meiner Meinung nach Craigslist, Kijjii und Autotrader. Die ersten beiden Seiten widmen sich dem Privatverkauf. Auf Autotrader findet ihr eher von Händlern angebotene Fahrzeuge. Wenn ihr Termine für eine Besichtigung ausmacht, versucht immer zuerst telefonisch Kontakt aufzunehmen. E-Mails werden wenn überhaupt meist nur sehr zeitverzögert beantwortet. Das kostet viel Zeit und Nerven. Am Besten legt ihr euch vor Ort eine kanadische Prepaid-Nummer zu, z.B. von den beiden größten Anbietern Telus oder Bell. Kleinere Anbieter wie Chatr sind günstiger, bieten aber in entlegenen Landesteilen deutlich schlechteren Empfang.

 

Marken- & Modellwahl 

Wenn es letztlich um die Marken- und Modellwahl sind wir mittendrin. Bei den Minivans landet man sehr schnell beim Dodge Caravan. Nur dieser hat versenkbare Sitze (Stow n Go). Die vorhandenen Sitze wirken sich bei einem Wiederverkauf sehr positiv aus. Wenn man auf die hinterste Sitzreihe verzichtet aber die mittleren Pilotsitze behält, kann man diese z.B. am Campingplatz schnell ausbauen und hat sie als Sitz am Lagerfeuer zur Verfügung. Hintere Sitzreihen werden für rund 150 CAD gehandelt. Ordentliche Dodge Caravan bekommt man für 3000-4000 CAD in Vancouver. Alternativ den Ford Windstar schon für deutlich unter 3000 CAD.

Wenn es eine Nummer größer sein soll landet ihr schnell bei Chevy Astro und Ford Econoline mit und ohne Campingausbau. Auch Transportervarianten sind denkbar. Für längere Reisen kann es sich durchaus lohnen einen günstigen Transporter individuell umzubauen. Die älteren Modelle bekommt man ab 4000 CAD. Je nach Alter, Zustand, Ausstattung und Kilometer steigen die Preise aber schnell an. 

 

Mit den Truckcampern habe ich mich nur am Rande beschäftigt, da mein Fokus von Beginn an bei den Mini- & Campervans lag. Allerdings haben wir uns einen 2001er Chevy Silverado mit Camperaufbau angesehen....und hätten ihn auch fast für 3500 CAD gekauft. Allerdings hat der Wagen massiv Öl verloren, was ich zum Glück direkt feststellen konnte.

 

Die Technik

Je nachdem wieviel Erfahrung ihr beim Autokauf habt, solltet ihr euch zumindest einige technische Basics vorab aneignen. Wichtig sind meiner Meinung nach v.a. folgende Fragen:

 

- Ölverlust durch Undichtigkeiten am Motor bzw. sonstiger Flüssigkeitsverlust

- letzter Wechsel und Stand von Öl, Bremsflüssigkeit, Kühlmittel, Getriebeöl bei Automatik

- letzter Zahnriemenwechsel (=Timing Belt)

- Zustand von Bremsen und Reifen 

- Allgemeinzustand, v.a. wichtig bei Wiederverkauf!

- Funktionsfähigkeit aller technischen Einrichtungen (v.a. bei Küche/Bad zahlreich)

 

Wer sich gar nicht auskennt lässt auf jeden Fall eine Werkstatt vor dem Kauf drüber schauen. Das kostet zwar 100-150 CAD, erspart euch aber evtl. einigen Ärger. Empfehlenswert ist zudem die Auto Historie über "Carproof" einzuholen, welche Auskunft über Vorbesitzer, frühere Schäden/Unfälle und Schuldenbelastungen gibt. Ansonsten ist die Liste der möglichen technischen Mängel lang und führt hier zu weit. Gut ist es natürlich auch sich vorab schon modellabhängig über Schwachstellen zu informieren. Bei  der obligatorischen  Probefahrt lässt sich letztlich auch einiges ausschließen - dabei unbedingt Radio ausschalten und euren Geruchs- und Gehörsinn einschalten!

 

Händler- vs. Privatkauf

Beide Kaufvarianten haben Vor- und Nachteile. Beim Händler ist evtl. eine Garantie enthalten, aber was nutzt mir die tausende Meilen entfernt, wenn der Motor mitten in der Wildnis nicht mehr starten will? Zudem möchte der Händler immer einen Gewinn machen, wohingegen manch privater Verkäufer sein liebstes Stück einfach nur in guten Händen wissen will und der Verkaufspreis evtl. nur zweitrangig ist. Wichtig zu wissen ist, dass bei beiden Verkaufsvarianten bei der Kfz-Anmeldung Steuern in Abhängigkeit vom Kaufpreis zu zahlen sind.

 

Nachdem die Technik geprüft wurde (selbst, Werkstatt, Carproof) muss letztlich das Bauchgefühl über den Kauf entscheiden...und das hat uns zweimal sicherlich größere Probleme erspart.

 

Händler gibt es im Großraum Vancouver viele. Ein Schwerpunkt liegt dabei sicher in Surrey, südöstlich von Vancouver. Zunächst hatte ich den Plan dort nach Fahrzeugen zu suchen.  Nachdem mir von den Locals aufgrund häufiger Schießereien aber mehrfach davon abgeraten wurde, habe ich das wieder sein lassen.

 

Kaufpreis verhandeln 

Natürlich solltet ihr über den Kaufpreis im Rahmen des Möglichen verhandeln. Wie weit ihr geht hängt natürlich auch wesentlich davon ab wie gut euch das Auto gefällt. Vor allem aber auch an euren Argumenten. Habt ihr euer Traumgefährt gefunden, sollte es nicht an 200 CAD mehr scheitern. Es kann durchaus sein, dass fünf andere Interessenten bereits Schlange stehen und ihr die Gunst der Stunde nutzen solltet, da ihr das Glück habt die Ersten zu sein....also Handeln, nicht zocken...und bei einem guten Deal zuschlagen. Letztlich lag auch ich bei  unseren Van ca. 150€ über meinem Kauflimit. Ich musste ihn einfach haben und wir haben es nicht bereut ;-)

 

Die Zulassung - Alles wird gut!

Unverzichtbar für die Zulassung und Versicherung sind der Nat. Führerschein, der Int. Führerschein (auch wenn niemand darauf schaut) und der unterzeichnete Versicherungsvertrag des Käufers, in dem er den Verkauf an euch bestätigt. Wenn ihr euch Versicherungskosten sparen wollt ist es unbedingt empfehlenswert bei eurer deutschen Versicherungsgesellschaft eine Bestätigung über eure unfallfreien Jahre auf Englisch einzufordern. Das kann ewig dauern, je nachdem wie die sich anstellen. Nach §5 (7) Pflichtversicherungsgesetz müssen Sie das aber innerhalb von 15 Tagen machen. Mir wurden insgesamt 8 Jahre angerechnet, wodurch ich einige CAD sparen konnte. Die Zulassung ist besonders einfach bei einem Händler, da hier meist direkt ein Versicherungsbüro angeschlossen ist. Beim Privatkauf ist es für euch das Einfachste, wenn ihr den Verkäufer davon überzeugt mit euch zum Versicherungsbüro zu gehen. In BC gibt es nur eine stattliche Versicherungsgesellschaft (ICBC). Im Allgemeinen ist das Ganze nicht besonders aufregend. Es kostet nur ein wenig Zeit...und am Ende dürft ihr brav eure Versicherungspolice plus die fälligen Steuern auf den Kaufpreis zahlen. Im Gegenzug erhaltet ihr hierfür eure Nummernschilder mit dem "Magic Sticker", der den Versicherungszeitraum anzeigt. 

 

So, jetzt gilt es nur noch die Nummernschilder anzuschrauben und los gehts! Achso....und den Versicherungsnachweis gut aufheben. Der bestätigt, dass man der Fahrzeugeigentümer ist. Sowas wie Fahrzeugbrief-/schein gibt es nicht.

 

Anmerkung:  Wohingegen in BC Zulassung und Versicherung durch die ICBC staatlich geregelt wird, sind Zulassung und Versicherung im Yukon zwei Paar Stiefel...ähnlich wie in Deutschland.   Für die Registration im Yukon durch die zuständigen Behörde benötigt man im Wesentlichen ausgefülltes Verkaufsformular, Eigentümernachweis des Verkäufers und Führerschein...aber nicht zwingend Versicherungsnachweis!!! Geht alles gut erhält man sein Nummernschild, das am Heck montiert wird. Aber Vorsicht, der jetzt zugelassene Wagen ist noch nicht versichert! Für die Kfz-Versicherung benötigt man zwingend eine Inspektion durch eine zugelassene Werkstatt...ähnlich unserem TÜV, welche man idealerweise vom Verkäufer durchführen lassen sollte. Die Inspection ist jedoch für den Kauf nicht obligatorisch...

 

Verkauf - Reine Nervensache am Ende der Reise?

Vorüberlegungen...

wir wollten den Van am Ende der Reise im Yukon wieder verkaufen. Hier sollten die Preise deutlich über denen in Vancouver liegen, da das Angebot hier relativ gering ausfällt. Aber kann man als Ausländer ein Auto auch wieder so einfach verkaufen? und das in einem anderen Bundesstaat? Hmmm...sofern der Verkauf nicht klappen sollte, wäre es evtl. auch zu überlegen, unseren coolen Oldtimer Van nach Deutschland zu verschiffen, da er bei uns für ein Vielfaches gehandelt wird. Alternativ konnten wir uns auch vorstellen den Wagen in Whitehorse bei Freunden zu deponieren, um dann beim nächsten Mal gleich ein zuverlässiges Fahrzeug zu haben. Nachteil, weder von dem Auto noch von dem Kaufpreis hat man auf unbestimmte Zeit etwas. 

 

und wie der Verkauf am Ende tatsächlich verlief... 

bereits vier Wochen vor Ende unserer Reise schaltete ich auf den Online-Verkaufsportalen Kijiji und Craigslist eine Verkaufsanzeige. Zudem kauften wir zwei große "For Sale" Schilder, wie sie in Kanada sehr beliebt sind, und hängten sie gut sichtbar in den Van. Wenig später erhielt ich die erste Rückmeldung und nach einer Probefahrt war der Deal perfekt. Letztlich verkauften wir unser treues Gefährt sogar mit 1000CAD Gewinn. Die Abmeldung erfolgte problemlos, da unsere Versicherung kurz nach unserem Abflug automatisch auslief. So konnten wir sogar die Nummernschilder als Andenken mit nach Hause nehmen (völlig legal).

Unser Käufer benötigte lediglich das ausgefüllte Verkaufsformular und den Eigentümernachweis von mir. Damit war die Sache für uns erledigt und der Kauf abgeschlossen....einfacher als gedacht!!!