fairbanks: a weekend in an alaskan city - amazing Powwow tribal, baseball match and live music


Bei sommerlichen Temperaturen kamen wir schließlich am frühen Abend in Fairbanks, Alaska an. Der lange Tagestrip war uns deutlich anzusehen und eine Dusche war bitter nötig. Doch der Sonnenschein war einfach zu verlockend und so schlenderten wir noch ein wenig durch die Gassen Downtowns, welche durch die teilweise vorhandenen Häuser im Salonstyle noch einen Hauch vom Wilden Westen erahnen lässt. Bereits nach einigen Metern hörten wir Livemusik aus einem Gebäude vor dem sich zahlreiche „bunte Vögel“ tummelten. Also war unsere Richtung wieder einmal vorgegeben und schon befanden wir uns in Mitten einer Benefizveranstaltung für die Opfer des „Orlando-Attentats“. Es wurde außergewöhnlich kreative und gute Malerei, Photographie und sonstige Kunstwerke versteigert und verkauft. Zudem spielte eine erstklassige Band mit einer pianospielenden Sängerin, die es echt drauf hatte...Marke Lady Gaga. Wow! Zudem gabs gratis Snacks von denen wir wie scheue Rehe den ein oder anderen zu uns nahmen.

Als dann der offizielle Rahmen begann verabschiedeten wir uns jedoch und setzten unseren Weg durch die Straßen Fairbanks fort. Im Park trafen wir neben einigen stadtüblichen Alkies auch auf einen jungen Typen, der auf seiner E-Gitarre unüberhörbar einige Metal-Riffs zum besten gab. Zu einem abschließendem Bierchen in einem Jazz-Bistro konnten wir uns dann aber doch nicht mehr hinreisen lassen und vertagten dieses Vorhaben.

Eine Übernachtung im Bereich des Stadtgebiets war uns nicht ganz geheuer, daher steuerten wir unseren Dark Rider aus der Stadt in Richtung Cheena Hot Springs und bekamen so weitere interessante Einblicke in das Stadtleben. Außerhalb der Stadt fielen uns insbesondere die zerschossenen „No-Shooting“-Schilder auf, woraufhin Diana eine Übernachtung in der Wildnis eine Absage erteilte. Doch ein ausgewiesener Campingplatz für unser Nachtlager war nicht in Sicht. Auf einem mies geschottertem Abzweig fragten wir einem finster drein blickenden Redneck auf einem Quad nach einem Campingplatz, der uns erst patzig, dann freundlich einige Pullouts entlang der Straße empfahl....keine Option für den Moment. Also fuhren wir viele weitere Meilen in Richtung Norden, in der Hoffnung auf ein geeignetes Plätzchen. Schließlich wurden wir fündig, doch mittlerweile waren wir auch etwas wählerisch, daher gings nochmal weiter. Letztlich landeten wir tatsächlich auf einem recht hübschen Campingplatz ca. 20 Meilen nördlich von Fairbanks. Bei einem netten Lagerfeuer, Bier du reichlich Mosquitos ließen wir den Abend ausklingen...doch die Sonne wollte einfach nicht untergehen.

 

Wohingegen ich überhaupt kein Problem mit dem Einschlafen habe, hat Diana so ihre Schwierigkeiten mit den sommerlichen Lichtverhältnissen im Yukon und Alaska. Nur ca. 3,5h Dämmerlicht und ansonsten meist Sonnenschein können den Tag-/Nachtrythmus eines Menschen ganz schön aus der Bahn werfen. Zudem schlafen wir in einem Van, was relativ bequem, aber eben doch kein Vergleich zu dem heimischen Bett ist. Die Folge ist eine stark verzerrte Zeitwahrnehmung. Der Morgen wird als Mittag empfunden, die Nacht als Abend. Alles verschwimmt angesichts der nicht untergehenden Sonne. Wir fragen uns zudem: „Wie mag das erst im Winter sein, wenn das Leben hier nur von Dämmerlicht und Dunkelheit bestimmt ist.


Fairbanks Tag II - Farmers Market, Powwow und Baseball Spiel - Ein geballter Tag!

Der Einstieg in unseren Tag beginnt wie üblich mit einem starken Kaffee aus unserem Espressokocher. Heute wollen wir Fairbanks weiter erkunden, doch zunächst steht das körperliche Wohlbefinden auf dem Plan. In einem Washsalon auf dem Weg in die Stadt werden wir fündig. Nach den eiskalten Bergseen der letzten Tage ist die warme Dusche wie ein Geschenk für uns und sichtlich erfrischt können wir unseren Weg fortsetzen.

Zurück in Fairbanks besuchen wir zunächst den Farmersmarket. Das soll richtig spektakulär sein, da Gemüse und Obst in Alaska aufgrund der langen sommerlichen Sonneneinstrahlung riesige Ausmaße annehmen soll. Bei unserer Ankunft treffen wir auf eine große Menschenansammlung und immer mehr strömen auf den bereits fast vollen Parkplatz. Der Marktplatz ist gefüllt mit allerei Essensbuden und Ständen die Kunsthandwerk anbieten – v.a. wunderschöne Töperei -  Die Gemüsestände sind deutlich in der Minderheit. Wahrscheinlich aber nur, weil Anfang Juli in Alaska schlicht noch keine Erntezeit ist. Doch die großen angebotenen Salatköpfe lassen erahnen welche Dimensionen hier möglich sind. Nach einem stärkenden Snack verlassen wir den Markt und machen uns gemütlich auf den Weg zu unserem zweiten Ziel des Tages, dem diesjährigen Intertribal-Midnightsun-Powwoww der First Nations.

 

Auf dem Gelände des Carlson Centers sehen bereits von weitem einige Tippies und einen gut gefüllten Parkplatz. Nachdem wir dann noch je 10$ Eintritt gezahlt haben, eröffnet sich für uns eine völlig neue Welt. Diana wirkt völlig gefangen und blickt gebannt auf die um einer riesigen Trommel sitzenden und singenden Menschen, während daneben unter einem großen Zelt andere zum Takt der Trommel in einer kreisförmigen Prozession tanzen und singen. In einer Pause schauen wir uns etwas näher die Stände an und unterhalten uns mit den Einheimischen. Leider müssen wir feststellen, dass hier quasi nichts Traditionelles angeboten wird. Weder Essen noch Schmuck oder sonstiges Handwerk. Es entsteht unweigerlich der Eindruck, dass die First Nations um eine neue Identität kämpfen, im ständigen Widerstreit zwischen alten Traditionen und der Moderne. Ich unterstütze die Veranstaltung jedenfalls noch durch den Kauf eines Powwow T-Shirts, Made in China.

Anschließend werden die Veteranen geehrt, welche in einer feierlichen Zeremonie Quilts verliehen bekommen. Darauf folgen mehrere Tanzgruppen, welche leider etwas eingeschränkt sind, da das Soundsystem ausgefallen ist. Dafür schreien sie um so lauter, so wie in alten Zeiten, als es noch keine Mikrophone gab...sehr sympathisch! Den Tänzen gehen meist kurze Geschichten voran, welche häufig von der Jagd (in recht ernster Mimik), der Liebe oder lehrreichen Tierverhaltensweisen erzählen, welche häufiger  witzig oder pointenreich erzählt werden. Nach der Tanzdarbietung werden die Tänze wiederholt und die Zuschauer aufgefordert mitzutanzen. Unterdessen hatten sich dunkle Wolken am Himmel gebildet und ein frischer Wind kam auf. Der Sonnentanz kam daher wie gerufen und auch wir wollten die Rückkehr der Sonne mit unserem Tanz unterstützen. Wir reihten uns daher in die kreisförmige Prozession ein und wippten so lange im Takt des Trommelschlags bis sich die Sonne tatsächlich wieder gegen die dunklen Wolken durchsetzte.

Am späten Abend steuerten wir erneut den uns vertrauten Campingplatz an, entschieden uns aber dann doch kurz vorher die Nacht auf einem abgelegenen Parkplatz zu verbringen.

 


fairbanks tag iii - Rituelle Freilassung des weißkopfseeadlers

Der heutige Tag stand im Zeichen, einige zivilisatorische Erledigungen zu absolvieren, bevor wir wieder in die Wildnis aufbrechen wollten. Drei Tage Stadtleben reichen dann auch wieder, ganz abgesehen von der Kohle, die man hier unweigerlich für Schleckereien und Souvenirs ausgibt. Die Staaten bleiben einfach ein Land der Versuchungen und sich denen zu entziehen erfordert einiges an Disziplin....der wir gegen Mittag gleich mal wieder konsequent unterliegen. In einem Restaurant/Pub (Brewsters) bestellen wir uns Burger mit Fritten und dazu Alaska Bier. Ganz nebenbei stellen wir fest, dass da auf den riesigen Flat-Screens das Endspiel der Europameisterschaft gezeigt wird. Frankreich gegen Portugal...wir sind für die Portugiesen. Keinen im Pub interessierts... Unser Mittagessen endet damit, dass uns beiden tot schlecht ist, angesichts der riesigen Portion und die Portugiesen in der Verlängerung gewinnen. Dianas Freudenschrei wird unter den Anwesenden jedoch gekonnt ignoriert.

 

Mit vollen Bäuchen gings zurück zum Powwow zur rituellen Freilassung eines Weißkopfseeadlers, welcher jedes Jahr aus einer Aufpäppel-Station geholt wird und hier unter Gebeten wieder in die Freiheit entlassen wird. Das war schon echt toll zu sehen! Flieg junger Adler!!!

 

Am späten Nachmittag verlassen wir Fairbanks in Richtung Süden. Der ca. 200Meilen entfernte Denali Nationalpark mit dem gleichnamigen höchsten Berg Nordamerikas (früher Mount Mc Kinley) ist unser nächstes Ziel. Die Fahrt dahin bleibt lange Zeit recht unspektakulär. Erst im Bereich von Denali wird die Landschaft wieder interessanter. Vor uns erheben monumental die  Gebirgszüge und wir fahren durch Täler mit reisenden Flüssen gleich neben der Straße. Wir hatten schon davon gehört, dass der Nationalpark aktuell einer der meist besuchten Orte Alaskas ist, doch was uns am  späten Abend erwartet überrascht uns dann doch. Denali stellt sich als eine reine Touristenburg dar. Fein säuberlich herausgeputzte Hotels im Blockhausstil und Souvenirläden, in einer Fülle wie wir sie bisher weder in Kanada noch in Alaska gesehen haben. Wir lassen den Ort daher gleich links liegen und fahren weiter in Richtung Nationalpark auf der Suche nach einem ruhigen Örtchen für die Nacht. Doch auch hier werden wir enttäuscht, daher fahren wir noch einige Meilen weiter, bis wir an einem Parkplatz direkt am Fluss und umgeben von hohen Bergen unser Nachtlager aufschlagen. Bei einem Bier und überwältigt von der uns umgebenden Natur beschließen wir dem überfüllten Denali Nationalpark den Rücken zu zukehren, um uns dafür umso mehr Zeit für eine der schönsten Strecken Alaskas zu nehmen...dem Denali Highway. Auch lud das regnerische Wetter nicht zu einer Wanderung ein.

 

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